Questions Zero und Kurskorrektur

Hilfsmittel zur Festlegung der Zielrichtung bei Designprojekten sind die so genannten Questions Zero. Bei dieser Designmethode werden vier bis fünf einfache Fragen beantwortet, um einen Konsens über das Vorhaben zu erzielen. Gerade die Beantwortung grundlegender Fragen zeigt Schwachstellen und Unklarheiten auf. Darüber hinaus wird das Projekt auch für außenstehende in einfachen Worten kommunizierbar. Geeignete Fragen für die Questions-Zero-Methode sind:

  • Was? (Was soll gemacht werden?)
  • Wozu? (Wozu/aus welchem Grund soll es gemacht werden?)
  • Wie? (Welche Werkzeuge/Ressourcen sollen verwendet werden?)
  • Für wen? (Wer sind die Nutzer, die erreicht werden sollen?)
  • Wo? (An welchem Ort in welchem Kontext soll das Projekt stattfinden?)
  • Status quo? (Was gibt es bereits?)

Auf Basis der Antworten auf die Questions Zero lässt sich weiterhin leicht ein Mission Statement formulieren: Eine prägnante, kurze Beschreibung des Projekts.

Die Questions Zero stehen damit im Designprozess ganz am Anfang und bilden die Ausgangsposition für alle Untersuchungen. Gleichzeitig dienen die Questions Zero während der Analysephase als Kontrollinstrument: Entsprechen die Vermutungen der Realität? Stellt man fest, dass die gewonnenen Erkenntnisse der Zielrichtung widersprechen, muss die Zielrichtung des Projekts angepasst werden.

Neue Erkenntnisse für das Projekt

Die vertiefende Stakeholder-Analyse und die Untersuchungen zu informellen Planungsprozessen zeigen, dass nicht nur die Stadtverwaltung und partizipierenden Bürger Einfluss auf die Entwicklung einer Stadt ausüben. Viele Maßnahmen der Stadtverwaltung (beispielsweise die Festlegung der Baugrenzen) sind eher rahmen- als impulsgebend und für die Bürger kurzfristig kaum spürbar. Grund dafür ist, dass (insbesondere in Stuttgart) nahezu alle freien Flächen bebaut sind. Statt Erweiterung stehen also Strategien für Konsolidierung, Umbau und Reparatur im Vordergrund (vgl. Krämer, 2016: 6).

Kulturell Aktive und Investoren als wichtige Stakeholder

Für die Menschen spürbare Impulse kommen zudem stark von Seiten kultureller Initiativen und privater Investoren. Gerade kulturelle, temporäre Projekte erfahren einen Wandel in ihrem Gestaltungswillen und ihrer Wertschätzung. Begründeten sie sich vor einigen Jahren noch in erster Linie in Protestbewegungen, treten sie aktuell aus diesem Licht heraus und werden stadtgestalterisch tätig. Sie sind damit nicht länger der „Enfant terrible“ der Stadtgestaltung. (vgl. Krämer, 2016: 6). Die Anerkennung temporärer Kulturinitiativen als Impulsgeber der Stadtgestaltung verlangt auch einen Entwicklungsprozess, der stärker akteurs- und entwicklungsbezogen stattfindet. (vgl. Nagel, 2016: 19)

Neben kulturellen Initiativen kommt auch dem Interesse privater Investoren heute eine größere Bedeutung zu. „Investoren kaufen größere Flächen […] in den Städten und erwarten eine stärkere Einbeziehung in die kommunale Planung. Dies sichert zum einen ihre Investitionen ab und erhöht die Effizienz beim Vollzug von Planungen.“ (Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, 2000: 21) Investoren-finanzierte Projekte, z. B. Shopping-Malls wie Milaneo und das Gerber in Stuttgart, haben großen Einfluss auf die innerstädtische Entwicklung. Neue Zentren und Infrastrukturen entstehen, angestoßen durch wirtschaftliche Interessen.

Neue Zielrichtung für das Projekt

Ein rein lineares Vorgehen Stadtplaner–Bürger wir ursprünglich angedacht, wird der Komplexität der Situation nicht gerecht. Eine erste Iteration findet statt: Durch Neuformulierung der Questions Zero wird die Zielrichtung des Projekts an die veränderte Situation angepasst.

Was?

Impulsgeber der Stadtentwicklung vernetzen, Kooperationen schaffen, Mitsprache ermöglichen.
Stadtplanung an lokale Bürger kommunizieren und diese in den Planungsprozess einbinden.

Wozu?

Durch breiten Diskurs Stadtentwicklungen ermöglichen, von der viele Akteure profitieren.
Menschen als Unterstützer für die Planung gewinnen und Partizipation anregen.

Wie?

Mit szeno­grafischen und digitalen Mitteln lokale Plattformen für Stadtentwicklungen schaffen.
Stadtplanung mit szeno­grafischen und digitalen Mitteln lokal sichtbar machen.

Für wen?

Bürger und Bürgerinnen, kulturell Aktive, Stadtrat/-verwaltung, Unternehmen/Investoren
Bürger und Bürgerinnen, Reallabor Stadt:quartiere 4.0, Stadt, Ämter und andere Stakeholder

Mission Statement

Entlang der neuen Questions Zero wurde auch ein Mission Statement formuliert, um das Projektvorhaben in wenigen Worten zusammenzufassen:

Wie können wir Stadtentwicklungen 
ermöglichen, von denen viele 
Akteure profitieren und die auf breitem 
Diskurs beruhen?
Impulsgeber der Stadtentwicklung sind 
sowohl Statdtplanung und Bürger als
 auch kulturelle Initiativen und private
 Unternehmen. Im Diskurs und Austausch aller Beteiligten schlummern große
 Potentiale, die oftmals ungenutzt bleiben. Mithilfe lokaler Inszenierung und digitaler
 Werkzeuge sollen Impulsgeber vernetzt werden,
 neue Kooperationen entstehen und 
Bürgern ein Mitspracherecht gegeben werden.